Stell dir ein buntes Geschmacksrad vor, das du am Tisch selbst drehst: In der Mitte duftender Reis, außen herum knackige Mango, würzige Schalotten, zarte Omelettstreifen, Limette, Chili – und alles wird mit einem Löffel voller Umami zusammengeführt: Garnelenpaste. Willkommen bei Khao Kluk Kapi, dem thailändischen Shrimp-Paste Fried Rice, der Streetfood-Charme mit Heimküchen-Komfort vereint.
Was ist Khao Kluk Kapi?
Khao Kluk Kapi bedeutet wörtlich „mit Garnelenpaste gemischter Reis“. Das Besondere: Die Garnelenpaste (thailändisch: Kapi) wird behutsam angeröstet und mit Jasminreis vermengt – so entsteht ein herzhaft-salziger Grundgeschmack. Drumherum kommen frische, süß-saure und knusprige Begleiter. Du mischst dir am Ende jeden Bissen so, wie er dir schmeckt: mehr Säure? Limette. Mehr Crunch? Grüne Mango oder Bohnen. Mehr Schärfe? Chili. Ein Gericht – unendlich viele Nuancen.
Zutaten (für 2–4 Personen)
- 300–400 g gekochter Jasminreis, idealerweise vom Vortag (ca. 3–4 Tassen gekocht)
- 1–1,5 EL thailändische Garnelenpaste (Kapi), nach Geschmack
- 2 EL neutrales Öl (z. B. Erdnuss- oder Rapsöl)
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
- 1–2 TL Palmzucker oder brauner Zucker
- 1–2 EL Fischsauce, nach Geschmack
- 2 Eier (für ein dünnes Omelett)
- 150–200 g Garnelen (geschält) oder Hähnchenschenkel ohne Knochen in feinen Streifen (optional)
- 2–3 Schalotten, in feinen Streifen
- 1 kleine grüne (unreife) Mango, in feinen Juliennes (Alternativen: grüner Apfel oder Gurke)
- 1 Handvoll Langbohnen/Prinzessbohnen, kurz blanchiert und in Scheiben
- 2 EL kleine getrocknete Garnelen, kurz in Öl knusprig gebraten (optional)
- 1–2 rote Thai-Chilis, in feinen Ringen (Menge nach Schärfetoleranz)
- 1–2 Limetten, in Spalten
- Einige Blätter Koriander, grob gezupft
Zubereitung Schritt für Schritt
- Reis vorbereiten: Wenn du frischen Reis nutzt, breite ihn auf einem Blech aus und lasse ihn 30–60 Minuten ausdampfen, bis die Körner trocken und locker sind. Day-old Rice verhindert Kleben und sorgt für Wok-Glanz.
- Omelett zart & dünn: Eier mit 1 Prise Fischsauce verquirlen. Eine beschichtete Pfanne mit etwas Öl bei mittlerer Hitze erhitzen, Eimasse dünn eingießen, Pfanne schwenken. Sobald die Oberfläche gerade eben gestockt ist, herausheben, aufrollen und in feine Streifen schneiden. Beiseite stellen.
- Protein anbraten (optional): 1 TL Öl in einem Wok erhitzen. Knoblauch kurz anschwitzen, bis er duftet (nicht bräunen). Garnelen (oder Hähnchen) zugeben, bei hoher Hitze 1–2 Minuten (Garnelen) bzw. 3–4 Minuten (Hähnchen) braten, bis gar. Herausnehmen, beiseite stellen.
- Garnelenpaste „wecken“: Hitze auf mittel stellen. Restliches Öl in den Wok geben. Kapi zugeben und 30–60 Sekunden rühren, bis ein intensiver Duft entsteht und die Paste sich im Öl löst. Tipp: Gute Lüftung! Wenn die Paste am Pfannenboden leicht brutzelt, ist sie bereit.
- Würze balancieren: Zucker einstreuen und rühren, bis er sich löst – die Süße rundet die salzige Kapi ab. 1 EL Fischsauce zugeben.
- Reis einarbeiten: Den lockeren Reis in den Wok geben. Mit dem Pfannenwender behutsam „hacken und wenden“, bis jedes Korn eine gleichmäßige, leicht bräunliche Tönung hat. Das dauert 2–3 Minuten. Zieltextur: körnig, trocken-glänzend, nicht fettig. Jetzt das angebratene Protein unterheben.
- Abschmecken: Kostprobe! Fehlt Salz/Umami, ½–1 EL Fischsauce nachlegen. Zu intensiv? Etwas zusätzlichen Reis unterheben. Zu trocken? 1–2 TL Öl einarbeiten. Optional die getrockneten Garnelen kurz mitrösten – sie liefern extra Crunch.
- Anrichten: Reis mittig auf eine Platte häufen. Drumherum dekorativ anordnen: Mango-Juliennes, Bohnen, Schalotten, Omelettstreifen, Chili, Limettenspalten, Koriander. Am Tisch mischen alle ihren Teller nach Gusto – genau das macht Khao Kluk Kapi so spaßig.
Tipps & Varianten
- Wok-Hitze: Arbeite lieber mit mittlerer bis mittelhoher Hitze. Zu heiß lässt Kapi schnell anbrennen und bitter werden – es soll nur duften und sich lösen.
- Richtig „glänzender“ Reis: Der perfekte Moment ist erreicht, wenn der Reis locker fällt, leicht schimmernd ist und nicht mehr sichtbar feucht wirkt. Dann haftet die Würze an jedem Korn.
- Keine grüne Mango? Verwende grünen Apfel, Kohlrabi-Sticks oder einfach Gurke – Hauptsache knackig und leicht säuerlich.
- Schnell & alltagstauglich: Statt separatem süßem Schweinefleisch kannst du einfach Garnelen nutzen – geht schneller und bleibt authentisch. Für extra Tiefe sorgen kross gebratene Speckwürfel oder chinesische Wurst (Lap Cheong).
- Schärfe steuern: Chili erst am Teller zugeben. So isst die ganze Runde entspannt mit.
- Vegetarische Nähe: Kapi ist nicht vegetarisch. Für ein ähnliches Umami-Profil kannst du 1 TL dunkles Miso + ½ TL fein zerbröseltes Nori + 1 TL Sojasauce in 2 TL Öl lösen und damit den Reis würzen. Es ist kein Original, kommt dem Geschmackserlebnis aber näher.
Warum dieses Rezept gelingt
Die Reihenfolge – erst Kapi im Öl lösen, dann Zucker/Fischsauce, dann Reis – sorgt dafür, dass die kräftige Paste gleichmäßig verteilt wird und nichts klumpt. Day-old Rice verhindert, dass der Wok zur Reissauna wird. Und die frischen Beilagen liefern Kontrast: Säure, Crunch, Süße, Schärfe – der Mix macht’s.
Quellen & weiterführende Infos: Saveur – Khao Khluk Kapi (Hintergrund & Varianten) • Food Network – Shrimp Paste Fried Rice (Jet Tila) • Wikipedia – Shrimp paste (Kapi) Grundlagen • Bon Appétit – What is Shrimp Paste? • Lion Brand – Khao Kluk Kapi Inspiration



