Warum Hanau plötzlich nach Bangkok klang
Gestern, am 19. Oktober 2025, hat Hanau für mich kurz den Klang und die Farben von Bangkok angenommen. Ich bin als neugieriger Farang ins Thailand Event gestolpert und wurde von einer Mischung aus Neonlicht, Räucherstäbchen-Duft und dicken Gitarrenriffs empfangen. Der erste Reality-Check kam direkt am Eingang: 90 € Eintritt – dank guter Beziehungen sind wir für 70 € reingekommen. Heftig? Ja. Aber es war einer dieser Abende, an denen du schon am Einlass spürst: Hier passiert was, das du nicht so schnell wieder vergisst.
Kulinarik auf Pappteller – teuer, aber lecker
Thailand-Feeling geht für mich immer auch über den Magen. Mein Test: ein rotes Curry auf dem Pappteller für 12 €. Klingt erst mal ordentlich über dem Street-Food-Niveau, das man aus Südostasien kennt – aber hey, wir sind in Deutschland. Geschmacklich war es top, nur nicht so scharf, wie ich es erwartet hätte. Das hat mich echt überrascht, denn normalerweise ist „ein bisschen mehr Chili, bitte“ mein Standardsatz. Gestern hätte ich mir ein kleines Schälchen mit extra Prik Nam Pla gewünscht – scharf, salzig, funky. Trotzdem: leer gelöffelt und zufrieden genickt.
Soundtrack des Abends: exotisch, laut, energiegeladen
Die meisten waren eindeutig wegen der Musik da – und die war… sagen wir mal: auf die beste Art exotisch. Es gab rappende Ladyboys, die mit leuchtenden Roboter-Tänzern die Bühne in ein technoides Farbenmeer verwandelten. Danach stand da ernsthaft ein blonder Schwede, der auf Thai Rocksongs gesungen hat. Mein Gehirn hat kurz gebraucht, um das einzuordnen – meine Ohren hatten in der Zeit schon längst Spaß.
Und dann die Headliner: Labanoon mit energischer, melodiöser Rockmusik, die sofort ins Ohr ging. Direkt gefolgt von den wilden Big Ass, die eine wuchtige Mischung aus Hard Rock und Nu-Metal ins Rund feuerten. Gitarrenwände, Stampfdrums, Hooks zum Mitgrölen – alles dabei. Vor der Bühne gefühlt rund 500 laut kreischende und hüpfende Thai-Fans, die jede Zeile kannten und die Stimmung auf ein Level katapultierten, das man in einer deutschen Mittelstadt nicht jede Woche erlebt. Ich bin nicht oft Teil einer so elektrisierten Crowd – hier war ich’s.
Farang im Thailand-Kosmos: skurril und super sympathisch
Als Farang fühlt man sich in solchen Momenten herrlich fehl am Platz – und gleichzeitig genau richtig. Skurril? Absolut. Aber die Mischung aus herzlicher Gastfreundschaft, augenzwinkernder Überdrehtheit und kompromissloser Live-Energie hat mich sofort eingesogen. Klar wurde mir dabei auch: Das hier ist nicht wirklich Thailand – vor allem, wenn man Preise und Rahmen vergleicht. Aber es war ein wunderbar verdichtetes Stück Thailand, ein Pop-up-Gefühl von Bangkok, Chiang Mai und Pattaya mitten in Hanau. Ein kultureller Kurztrip ohne Jetlag.
Was den Abend besonders gemacht hat
Erstens: die Kontraste. Neon-Deko trifft deutsche Hallenakustik, Pappteller-Curry trifft Rock-Gitarren, traditionelle Muster treffen LED-Show. Zweitens: die Crowd. Diese Mischung aus Heimatstolz, Nostalgie und purer Feierlaune ist ansteckend – selbst wenn man die Texte nicht versteht. Drittens: die Bühnenmomente, die man nicht planen kann. Der spontane Rap-Part der Ladyboys, die tanzenden Roboter, der schwedische Akzent auf Thai – all das ergibt diese unkopierbare Live-Magie, wegen der man überhaupt auf Konzerte geht.
Praktische Tipps für deinen nächsten Thailand-Abend in Deutschland
– Früh kommen: Wer die Schlangen beim Essen umgehen will, spart Nerven.
– Bargeld mitnehmen: Nicht jeder Stand ist auf Kartenzahlung eingestellt.
– Scharfmacher einpacken: Ein kleines Chili-Öl oder Chili-Flocken retten den Tag, falls es milder ausfällt.
– Geh wegen der Musik: Essen ist nice, aber die Live-Acts sind das Herz des Abends.
– Ohrstöpsel: Thai-Rock und Nu-Metal können laut werden – auf die gute Art.
Fazit: Ein Abend, der hängen bleibt
War der Eintritt hoch? Ja. War es das wert? Für mich: definitiv. Ich bin mit einem Grinsen raus, einem leichten Pfeifen in den Ohren und dem Gefühl, einen Mini-Urlaub erlebt zu haben – in Hanau, nicht in Bangkok. Labanoon und Big Ass haben geliefert, die Crowd hat gezündet, und ich habe wieder gemerkt, wie stark Musik Brücken baut. Skurril? Auf jeden Fall. Aber vor allem: sehr viel Spaß.



